Samstag, 27. August 2016

Mal wieder in "unseren" Bergen - 24.06.16 in Königsdorf mit dem Cirrus (710km OLC)

Da ich die Berge schon richtig vermisst habe, wollte ich dieses Jahr unbedingt noch mal in "unsere" Alpen fahren, um wenigstens einen Tag dort verbringen zu können.
Für den 24.06. hat sich dann endlich mal so eine Lage abgezeichnet. Am Stillberg war es am Vortrag noch knapp 30 Grad heiß und total stabil, doch für den nächsten Tag hat sich eine leichte Labilisierung angekündigt. Das sind meistens dann die guten Bergtage, doch auch die Alb hat dann Potential, auch wenn es vom Stillberg dann relativ mühsam richtung Westen losgeht. Ich hab dann lang gehadert, doch schlussendlich am Abend den Flieger eingepackt und nach Ingolstadt mitgenommen.
Nach einem Telefonat mit Benni Bachmaier war der Startplatz glücklicherweise gesichert und so hab ich den Wecker auf 5:15 gestellt und bin zum Leistungsschlaf ins Bett gegangen.
Um 7:55 war ich in Königsdorf, wo ich von alten Bekannten und neuen Gesichtern herzlich empfangen wurde. Nach dem Aufbauen war dann erstmal relaxen angesagt, denn vor halb 11 hat Benni keine realistischen Startmöglichkeit prophezeit. Ich hab dann Benni auf der Reliefkarte gebeten, mir noch den Endanflug aus dem Engadin zu erklären, weil ich die Routen 'wenns eng wird' durchs Karwendel nicht kannte. Schlussendlich fühlte ich mich dann gut gerüstet, da ich mir einbildete, die Abflugroute durch meine zwei Flüge in KDF schon zu kennen (...).
Um dreiviertel 11 ging es dann hinter Benni los - es war ein Schlepp auf 1800m Richtung Benewand mit dem Schlepppiloten abgemacht.

Der OLC-Flugweg

Ein paar km vor besagtem Berg klinkte ich aus und glitt über die Benewand, wo ich auf der Südseite zwar keinen Bart erwartete, aber zumindest schonmal eine tragende Linie Richtung Latschenkopf. Kaum war die Südseite erreicht, ging das Vario nach unten und ich fiel regelrecht vom Himmel. Ich war vollkommen irritiert, da eigentlich leichter Südwind angesagt war. Wie es hier, im Unterschied zu Südfrankreich, leider allzuoft vorkommt: Beinahe jedes Tal hat seinen eigenen Talwind, der teils nichts mit irgendeiner imaginären Hauptwindrichtung zu tun hat. So kam es, dass hinter der Benewand reiner Westwind vorherrschte, der einfach Talparallel an der Benewand entlangströhmte und natürlich keinen Aufwind hervorbrachte. Es ging teils wirklich stark runter, sodass ich nach kurzer Zeit den Westkurs aufgab und mich aufs Außenlandefeld Jachenau stürzte. Vor dem Starts sagte mir Benni noch, ich solle zum Latschenkopf fliegen, denn da wäre immer ein Bart. Durch das Saufen war ich leider schon deutlich unter dem Latschenkopf, also war jegliche Systematik irgendwie dahin. Ich sah dann etwas höher ein Flugzeug über dem Außenlandefeld an einem Mini-Hangvorsprung an der Jachenau entlangfliegen, was sich nach kurzem Funkspruch als die LS1 von Benni identifizieren ließ. Da ich in knapp 1100m NN (und geschätzten 350m über dem Feld) keine bessere Idee hatte, flog ich zu Benni und wir fixierten einen Nullschieber am Hang, sodass ich erstmal kurz durchatmen und mich neu orientieren konnte. Außenlandefeld frisch gemäht ->alles war entspannt -> jetzt gings ans basteln. Mit 0,2-0,3 gings langsam raus und es war im Grunde eine Frage der Zeit, bis die Thermik sich soweit entwickeln würde, dass man zur Soiernspitze weiterfliegen konnte. Nach einer Stunde und zwanzig Minuten Turbulenzen war es dann so weit - wir hatten über die Soiernspitze Anschluss an die gute Thermik im Wettersteingebirge und Richtung Engadin. Ab da wurde es sehr unspektakulär, einfach weil die Thermik durch die fortgeschrittene Tageszeit schon so gut war, dass man mit halbwegs vorausschauender Flugweise keine Probleme bekommen konnte. Benni - mit Ziel Matterhorn - war nun weg und so flog ich über die Mieminger in gutem Wetter auf der NW-Seite des Engadins etwa 15km über Samedan raus. Der Plan war nun, auf der Hauptkammseite so weit wie möglich nach Osten zu fliegen. Da hier einige kleine Talquerungen drin sind, musste ich mit dem Cirrus das eine oder andere mal auch wieder rauskurbeln, aber immer ohne Risiko und entspannt. Man konnte gefahrlos bis Bad Hofgastein fliegen, wo der Weg dann durch ein Gewitter abgesperrt war. Um 16:50 wendete ich mit dem Ziel, nochmal ins Ötztal fliegen zu könnnen, wo ich abends die größte Endanflughöhe erwartete. Am Hauptkamm baute es leider etwas ab, sodass ich immer an den Richtung Westen ausgerichteten Bergflanken kurbeln musste, ohne dass sich schnelle und linienhaft angeordnete Straßen bildeten. Seltsamerweise war jenseits des Gerlos keine Entwicklung mehr und ein weiterfliegen Richtung Ötztal war mit dem Cirrus und ohne Rückholer keine Option mehr. So wendete ich am Gerlos mit dem Ziel, wieder ins Karwendel zu kommen und von dort aus Endanflug zu machen. Es war erst 18 Uhr local, weshalb ich etwas enttäuscht über das frühe Ende war, aber der Flug war trotzdem noch nicht vorbei, denn im Karwendel sah man noch ein paar Wolken, die noch mindestens eine halbe Stunde Flugzeit versprachen. Die Thermik südlich des Inntals war so komisch, dass ich das Inntal schnellstmöglich queren wollte, um wieder in Reichweite der Flugplätze im Alpenvorland zu sein. Nach (wie immer) sehr freundlicher Genehmigung durch Insbruck Radar querte ich den LR und flog auf den Rofan zu, der mir als erste Anlaufstelle viele Optionen mit meiner Höhe bot. Es war dann schlussendlich leichter als Gedacht, wieder Anschluss zu bekommen, weil ein Bart weit vor Grat jegliches Risiko verschwinden lies. So konnte ich westlich des Achensees im Karwendel noch etwas verlängern und einen entspannten Endanflug Richtung Benewand antreten, wo ich mein Dreieck noch schließen musste. Durch schön tragende Linien an den Steinen entlang konnte ich den Flug noch etwas nach Norden ausdehnen und um 19:33 zufrieden in Königsdorf landen.
Danke an Königsdorf und Benni für die herausragende Gastfreundschaft und an Mathias für die Brotzeit im Biergarten!

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